Produzentenportraits

Shailesh Patel, Ivan Bwambale und Nazma Akter zu Gast!

Baumoll-Produzenten

Im Rahmen der Fairen Woche und zum Fashion Fairday besuchten uns die Baumwollproduzenten Ivan Bwambale aus Uganda und Shailesh Patel aus Indien sowie die Arbeitsrechtlerin Nazma Akter. Sie hielten bundesweit Vorträge, besuchten Veranstaltungen und führten Gespräche mit Politiker/innen und Journalist/innen.

Shailesh Patel

Shailesh Patel (links) mit einem Kollegen

Shailesh Patel ist Baumwoll-Projektmanager für die Region Kutch in Nordindien. Er sieht die Vorteile von Fairtrade für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern insbesondere in der Anschaffung neuer Arbeitsgeräte, der technischen Unterstützung zur Steigerung der Produktivität und Profitabilität beim Anbau ihrer Baumwolle. Ebenfalls profitieren sie von der Unterstützung bei der Umstellung auf Bio-Anbau, bei dem gentechnisch modifiziertes Saatgut ausgeschlossen ist – in Nordindien ein Ausnahmefall.

Shailesh und die Kooperative Rapar & Dhrangadhra

„Für die Bauern ist das ein großer Erfolg. Sie haben jetzt ein viel größeres Interesse als Organisation Fortschritte zu machen und wollen sich aktiv an der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklung beteiligen.“

Dass Shailesh für die Kooperative Rapar & Dhrangadhra zu Gast ist, ist Ergebnis einer Erfolgsgeschichte: Über mehrere Jahre haben die Bauern daran gearbeitet, sich als selbständige, demokratisch organisierte und strukturierte Kooperative zu etablieren. Vorher haben sie als Fairtrade-zertifizierte Vertragsproduzenten zwar bereits von stabilen Preisen und der Fairtrade-Prämie profitiert, aber erst jetzt als Kooperative stehen selbst in Kontakt mit Partnern, verhandeln selbst die Verträge mit Aufkäufern der Baumwolle und entscheiden selbstbestimmt über die Entwicklung der Organisation.

Projekt-Ideen gibt es viele, z.B. zur Produktion von Bio-Saatgut, die Stärkung von Frauen, Informationstage zum Klimawandel, Training zu Wasserschutz, Wasser-Recycling und -Aufbereitung und die Versorgung von örtlichen Schulen mit sauberem Trinkwasser.

Bislang hat die junge Organisation 500 Mitglieder. Im kommenden Jahr wollen weitere 200 Bäuerinnen und Bauern beitreten. Das Beispiel von Rapar & Dhrangadhra zeigt vorbildlich, was sich hinter dem Ziel von Fairtrade – Empowerment - verbirgt: Die Stärkung von Kleinbauern und den Aufbau selbstorganisierter, selbstbewusster und selbständiger Organisationen.

Baumwoll-Pflanze

Ivan Bwambale

Ivan Bwambale

Ivan Bwambale ist Generalsekretär der Fairtrade-Baumwollkooperative Rwenzori aus Uganda. In Uganda brach im Jahr 2012 der Preis für den Rohstoff Baumwolle zusammen, viele Bauern mussten sich deswegen verschulden und konnten die horrende Pacht, die die Landbesitzer verlangten, kaum noch bezahlen. Doch dann taten sich rund 200 Farmer aus den abgelegenen und schlecht zu erreichenden Dörfern am Fuße der Rwenzori-Berge in Westuganda zusammen und gründeten im Dezember desselben Jahres Rwenzori Farmers Marketing Co-operative Society Ltd.

Über die Kooperative

Die Kooperative besteht aktuell aus 250 Mitgliedern, mehr als die Hälfte davon sind Frauen (133). Seit 2014 ist die Kooperative Fairtrade-zertifiziert. Im Zuge der Zertifizierung lernten die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Schulungen unter anderem die knappen Wasserreserven effizienter zu nutzen und die Ernteerträge durch modernere Anbaumethoden und den richtigen Einsatz von Düngern deutlich zu erhöhen. Mithilfe der Fairtrade-Prämie bauten die Farmer zudem Wasserspeicher, finanzierten Trainings zu den Themen Arbeitssicherheit und Erste Hilfe, Gesundheit und Bildung.

Doch sie gingen einen weiteren wichtigen Schritt, um in der Wertschöpfungskette aufzusteigen: Während die meisten Kooperativen ihre Ware einfach an Baumwoll-Entkernungsunternehmen verkaufen, schloss die Rwenzori-Kooperative selbst Verträge mit den Betreibern, die es den Farmern erlauben, mit dem Rohstoff auch nach der Trennung von Kernen und Fasern weiter zu handeln – das brachte ihnen eine Einkommenssteigerung von rund 30 Prozent.

Ivan Bwambale ist als Generalsekretär unter anderem verantwortlich für die Weiterbildungen der Kooperativenmitglieder. Er setzt Schwerpunkte auf die Erarbeitung neuer Anbaumethoden sowie der Qualitätssteigerung der Baumwolle.

Baumwoll-Produzentinnen
Nazma Akter

Nazma Akter

Sie war elf Jahre alt, als sie anfing in einer Kleiderfabrik in Bangladeschs Hauptsadt Dhaka zu arbeiten. Heute gehört Nazma Akter zu den bekanntesten Arbeitsrechtlerinnen Bangladeschs und ist über die Grenzen ihres Heimatlandes hinaus bekannt. Seit sie 16 ist, setzt sich die heute 43-jährige  für die Belange der Arbeiterinnen in der Textilbranche ein. 2003 gründete sie die AWAJ Foundation. Awaj bedeutet in bengalischer Sprache ‚Stimme‘. Diese Stimme möchte Nazma Akter Frauen in der Textilindustrie geben. Ihr Ziel ist es, dass „Made in Bangladesh“ zukünftig nicht mehr überwiegend in Verbindung mit Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen gebracht wird. Mit rund vier Millionen Beschäftigten ist die Bekleidungsindustrie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor des Landes. Der Frauenanteil liegt bei 80 Prozent. Deshalb will Nazma Akter insbesondere Frauen stärken: „Erst wenn eine Textilarbeiterin ihre Rechte kennt, kann sie diese auch in der Fabrik einfordern.“ Awaj vermittelt zwischen Belegschaft und Management, bietet Beratung und juristische Unterstützung an, dient als Plattform für Austausch und Vernetzung der Beschäftigten. Durch öffentliche Auftritte und politische Arbeit schaffen Nazma und ihre MitstreiterInnen mehr öffentliches Bewusstsein für die Missstände in der Branche. Im Fairtrade-Textilstandard und dem zusätzlichen Textilprogramm sieht sie einen sinnvollen Ansatz, vor Ort in den Fabriken Frauen aktiv an Verbesserungen der Arbeitssituation zu beteiligen und sie im Kampf für ihre Rechte zu unterstützen.